Vierte Konferenz „Rating und Krisenmanagement“ mit spannenden Vorträgen und Diskussionsbeiträgen

Editorial im Controller Magazin

Liebe Leserinnen und Leser,

die 4. RMA-Konferenz „Rating und Krisenmanagement“ fand am 30. Oktober 2025 bei PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München, statt. Im Rahmen des Vorabend-Events konnten die Teilnehmer der Konferenz bereits Erfahrungen zu den Themen des Ratings und Risiko- und Krisenmanagements austauschen und ihre Kontakte im Rahmen von Networking vertiefen. 

Die Einrichtung eines effizienten Krisenmanagements in Unternehmen ist auf Grund der seit Jahren zunehmenden Krisenentwicklungen von besonderer Bedeutung. Mit diesen für die internationalen Wirtschaftsbeziehungen nicht besonders förderlichen Entwicklungen werden auch mitteständische Unternehmen sich noch über einen längeren Zeitraum beschäftigen müssen. 

Weltweit kommen Unternehmen in bedrohliche Situationen, mit teilweise gravierenden Folgen für ganze Branchen und den globalen weltweiten Handel. Beispielsweise können an dieser Stelle die Diskussionen um Zölle und ähnliche Handelsbeschränkungen erwähnt werden, die insbesondere die deutsche Exportwirtschaft vor neue Herausforderungen stellen wird.

Wir befinden uns inmitten einer neuen Epoche, geprägt von massiven geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen und Krisen. Aus diesen Gründen ist es zwischenzeitlich für Unternehmen eine Selbstverständlichkeit, ein professionelles Krisenmanagement aufzubauen und dieses weiterzuentwickeln. Mit diesen Überlegungen setzen sich die Themen der vierten RMA-Konferenz „Rating und Krisenmanagement“ auseinander.

Anhand praktischer Beispiele erhielten die Teilnehmer wertvolle Tipps und Einblicke zum Auf- und Ausbau eines eigenen Krisenmanagements. Insbesondere konnten die Synergieeffekte zwischen den Ratingansätzen und der Implementierung von Krisenmanagementsystemen erläutert werden.

Dem ersten konkreten Ansatz widmete sich Dr. Klaus Bockslaff in seinem Vortrag „Wie hoch ist der Reifegrad des Krisenmanagements in Unternehmen und Organisationen im DACH-Raum?“. Er stellte eine internationale Norm, die ISO 22361, und deren Vorteile vor. Diese neue Norm liefert das erste Mal eine internationale Vergleichbarkeit, klärt Bedeutungen über Länder hinweg und dazu die Anforderungen an Führungskräfte. Weiter stellte Bockslaff die aktuellenUmfrageergebnisse zum Stand des Ratings und des Krisenmanagements vor: 85 Unternehmen waren an dieser Umfrage beteiligt, viele dieser Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Hierbei wurde ersichtlich, dass größere Unternehmen einen Vorsprung vor den kleineren haben, wobei insgesamt ein hohes Niveau vorliegt, aber noch einige Aufgaben im Krisenmanagement zu erfüllen sind. Als Beispiel schloss er hierzu mit der Bildung eines schlagkräftigen Krisenstabs, mit mehreren Personen für einen treffenden Austausch, in einem Umfeld sich verändernder Risiken – auch hierzu gibt die neue ISO-Norm Akzente.

Prof. Dr. Kristian Giesen, Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwesen an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management, referierte über die Betrachtung „Zufall, Ratings und Extremereignisse – Die Bedeutung von Ungewissheit in einer komplexen Welt“. Wie uns die letzten Jahre mit allen Ereignissen lehren konnten, liefert die zunehmende Komplexität auch eine zunehmende Ungewissheit, besonders in der Krisenfrüherkennung. Modelle enthalten oft nicht die Komplexität, um greifbar zu sein. Denn die Realität und Entscheidungen enthalten viele Zufälle. Dabei sind Wahrscheinlichkeiten notwendig, um Entscheidungen zu treffen. Eine kleine Veränderung bedingt oft eine unvorhersehbare Veränderung, auch in der Krisenfrüherkennung. Während Risiken berechnet werden können, kann das Ungewisse nur begriffen werden. Es ist nicht die Frage, ob eine Krise eintritt, sondern wie. Im Risikomanagement und im Rating ist ein qualitatives Modeling wichtig und die Resilienz ist das wirkliche Handlungsmittel.

Mit seinem Vortrag ‚Business Performance Management: Risiken vorbeugen, Ergebnisse sichern und Maßnahmen treffen‘ schloss Christian Neeb, Senior Manager der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH, München, mit unternehmerischen Themen an. „Die Ertragskraft bestimmt den Grad der unternehmerischen Freiheit“. So bestimmt das Ergebnis auch die möglichen Risiken und die Maßnahmen. Gestaltungsfelder liegen z. B. bei den Märkten, der Wertschöpfungskette und im Leistungsportfolio. Ansatzpunkte für die Business-Performance können definiert werden, Transparenz wird geschaffen: Die Kernprozesse liefern den Fokus für eine Bewertung, wo der Schlüssel für die Zukunft eines Unternehmens liegt. An einem Praxisbeispiel legte Neeb treffend dar, wie die Business-Performance eines Unternehmens gesichert werden kann. Der Leitsatz „Lieber aus der Stärke heraus arbeiten, nicht aus der Schwäche“ verdeutlicht die unternehmerische Freiheit im Krisenmanagement und im Rating.

Markus Fauser, Partner bei Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Stuttgart/Düsseldorf, referierte zu „Option Review in der Restrukturierungsberatung“. Wenn ein exogener Faktor, meist nicht vorhersehbar, ein Unternehmen trifft, greifen manchmal Teile eines Handlungsplans nicht. Das Unternehmen muss bewertet werden, um eine Basis für die Restrukturierung zu schaffen. Fauser zeigte am Beispiel einer internationalen Konzernstruktur höchst anschaulich mehrere Szenarien für die unterschiedlichen Sanierungsmöglichkeiten auf. Bei allen Wegen ist zu beachten, dass nicht allein die finanziellen Größen eine Rolle spielen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des restrukturierten Unternehmens, um weiter erfolgreich und gut am Markt positioniert zu sein.

Felix Sandhofer (The Vizart), Inhaber der Flow Factory (Zürich), Visual Thinker & Visualisierungstrainer, kam mit einem wertvollen Praxisbezug: Der „Visualisierung im Krisenmanagement als Schlüssel zur Zusammenarbeit“. In einer Krisensituation tritt Stress auf, der bekanntlich unsere Hirnfunktionen verändert. Wie lässt sich trotzdem eindeutig kommunizieren? Bilder vermitteln einfach und treffend Inhalte und sind zudem schneller erfassbar als Texte. Bei einem Bild sehen die Betrachter das Gleiche, ein Bild schafft so Struktur, Orientierung und letztendlich Vertrauen. Komplexität wird anschaulich und Verbindungen werden klar. Sandhofer prägte den Begriff der „Visuellen Führung“, um visuelle Aussagen in Krisensituationen zu machen. Dabei geht es um einfache Stilmittel, damit Botschaften ankommen. Anhand von praktischen Übungen und Beispielen überzeugte Sandhofer, dass die visuelle Kommunikation als Führungsinstrument im Krisenfall bestens funktioniert.

Antworten auf die zeitgemäße Entwicklung brachte Dr. Alexander Köppen, Partner des Bereichs Business Continuity Management / Cyber Strategy &Transformation bei PwC Deutschland: „Was kommt nach den Silostrukturen? BCM und Krisenmanagement als Kernbestandteile von Resilienz-Managementsystemen“. Silostrukturen bilden oft nicht mehr die Komplexität im Krisenmanagement ab, es geht vielmehr um das Erkennen, wo Potenziale, Synergien und Wirksamkeiten liegen. Köppen entwickelte anhand eines Cases eine Strategie zur Integration aller Kernelemente eines Unternehmens für die Zukunft. Die gewonnenen Erkenntnisse daraus dienen direkt als Blueprint für die spätere Organisation und Struktur, um die ehemaligen Silos zu ersetzen.

Der letzte Vortrag war sehr praxisnah gestaltet: „Versorgung sichern, Vertrauen stärken – Krisenmanagement bei Fressnapf als Stabilitätsfaktor“ von Knut Tondera, Vice President Corporate Audit, Fressnapf Holding SE, Krefeld. Wo liegen die Risiken in seiner Struktur, was trat bereits tatsächlich ein und wie geht man im akutenKrisenfall damit um? Hier liegt eine klare Definition des Krisenbegriffs zugrunde. Nicht alles ist gleich eine Krise, daher ist der Krisenbegriff und die -bewertung quasi ein Schalter zur nachfolgenden Handlung. Hier ist für Tondera der Dialog und der verantwortungsvolle Umgang – neben aller Systematik – von höchster Bedeutung. Ein Krisenstab aus internen und ggf. externen Experten steht im Unternehmen bereit. Mit dieser Struktur ist es Fressnapf gelungen, höchst erfolgreich am Markt zu bestehen.

Die 4. RMA-Konferenz Rating & Krisenmanagement schloss Prof. Dr. Wolfgang Biegert mit seinem Dank und seiner Anerkennung an alle Experten und Teilnehmer. An den lebhaften Diskussionen nach jedem Referenten war der große Erfolg der Konferenz sichtbar geworden. Die RMA bedankt sich an dieser Stelle recht herzlich bei PricewaterhouseCoopers Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH, München, für die freundliche Unterstützung.

Wir planen im Herbst 2026 die Konferenzreihe mit aktuellen Themen fortzusetzen. In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Grüßen

Ihr Prof. Dr. Wolfgang Biegert