RMA-Jahreskonferenz Rating & Krisenmanagement 2026

Rating und Krisenmanagement in der Unternehmenspraxis

Die 5. Jahreskonferenz Rating & Krisenmanagement 2026 der RMA Risk Management & Rating Association e.V. fand am Donnerstag, den 15.10.2026 in München statt. Der Gastgeber war die EY GmbH & Co.KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Dr. Thomas Grauer – die RMA bedankt sich herzlich. 

Für alle Teilnehmer:innen war der RMA-Fachkongress ein voller Erfolg. Die aktuellen Themen spiegelten die Veränderungen und die Interessen der Unternehmen und die Ergebnisse aktueller Forschung in Theorie und Praxis gleichsam wieder. Bestechend war das Spektrum der Referent:innen, bestehend aus externen Stimmen sowie aus Erfahrungsträgern der RMA – alle ausgesprochene Spezialisten. Sie brachten mit ihren verschiedenen Themen interessante Vorträge und Anstöße.

Prof. Dr. Wolfgang Biegert, stellvertretender Vorsitzender des RMA-Vorstands, eröffnete und moderierte lebendig den Fachkongress mit seiner Wirtschaftskompetenz, ebenso begrüßte Grauer die Teilnehmer:innen. Michael Jahn-Kozma, Vorsitzender des Vorstands der RMA, brachte die thematische Überleitung, dass es mit einem guten Rating möglich ist, für ein Unternehmen an Kapitalressourcen zu gelangen.

Hierzu sprach Alexander Ruiz Höhn, Referatsleiter Bonitätsanalyse und Wertpapiere, Deutsche Bundesbank - Hauptverwaltung in Bayern über ‚Die Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank‘. Dazu erläutere Ruiz Höhn intensiv die Basis der im Euroraum geltenden Verfahren, zeigte die Einordnung verschieden hoher Risiken auf, und kam zur Struktur und zu den Hintergründen des komplexen Bonitätsanalyseverfahrens und dessen Vorteile.

Ludwig Gruber, Inhaber, GH Kapital (Fördermittelberatung) verfügt über eine profunde Praxis und sprach über ‚Der Einfluss staatlicher Wirtschaftsfördermaßnahmen auf das Rating von Unternehmen‘. Im Mittelpunkt seines Vortrags waren Themen wie „Welche Größe verändert die Förderung tat–sächlich?“ und Förderinstrumente sowie deren Wirkungen. Praxisbeispiele, anhand von konkreten Fällen, verdeutlichten, welche Wirtschaftsfördermaßnahmen realistisch für ein Unternehmen Sinn machen. Regeln für die Ratingpraxis rundeten den höchst anschaulichen Vortrag ab.

‚Cyberangriffe, Hackerattacken, Industriespionage – Wie darauf vorbereiten und Bedrohungslagen meistern?‘ hinterfragte Dirk T. Schmitt, Managing Partner, Rosenberg Strategic Communications GmbH & Co.KG. Cyber incidents stehen weiter auf Platz 1 der Top-10 der Risiken in Deutschland. Schmitt vermittelte Einblicke über schleichende Krisen, die Wahrnehmung und die Rolle von Mitarbeitern. Cybercrime ist ein professionelles Geschäftsmodell, KI wird genutzt, und wie die Organisationstruktur eines Angreifers aussehen kann, skizzierte Schmitt. Abschließend zeigte er, wie sich ein Unternehmen auf einen Angriff bestmöglich vorbereiten kann, um resilienter zu werden.

Claus-Thomas Kuhn, Leiter des RMA-Arbeitskreises ‚Krisenmanagement‘ folgte mit seinem ‚Bericht zum Thema „Aktuelles“ aus dem AK Krisenmanagement und weitere Vorgehensweise / Schritte‘. „Drei Perspektiven. Ein gemeinsames Ziel.“ Ist der markante Leitsatz, um die betriebliche Praxis, die Regulatorik und die Wissenschaft miteinander zu verbinden. Der Mehrwert liegt in der unabhängigen Information, dem Expertenwissen für die DACH-Region und in der individuellen Vernetzung und dem Erfahrungsaustausch. Kuhn verwies treffend auf die erfolgreiche Arbeit des AKs und schloss mit seinem Ausblick: „Zukunft sichtbar machen - KI-gestützte Szenarioanalyse im Krisenmanagement; Erstellen eines systembasierten, interaktiven Beispielfalles.“

Marco Möser, Geschäftsführer, Converxys GmbH betrachtete ‚KI-basiertes Online-Analyse-Rating-System aus ökonomischer und Bewerberperspektive; Status agentenbasierter Softwareentwicklung‘. Was kann ein KI-basiertes Online-Analyse-Rating-System leisten und wo ist der Status agentenbasierter Softwareentwicklung? Vor allem was der Mensch mitbringen muss ist höchst relevant – Stichwort „Leitplanken: Mensch im Loop“. Möser schloss mit dem Fazit, dass man beim Programmieren der KI nicht mehr überlegen ist, dass aber der Mensch die Voraussetzungen schafft. Zurück zu KI-Ratings stellt er fest, dass diese ein schneller, transparenter Erst-Check und Frühwarnsignal sind, aber keinen Ersatz für das Analysten-Rating darstellen.

‚Warum gute Krisenpläne nicht genügen – wie Teams unter Druck wirklich handlungsfähig bleiben‘ war der praxisnahe Titel des Vortrags von Peter Markovitz, Senior Consultant, Verismo Consulting GmbH. Markovitz fragte zu Beginn „Was macht erfolgreiche Teams eigentlich wirklich aus?“ Anhand des Beispiels der Apollo 13 zeigte er, was in der Zusammenarbeit passiert, wenn der Druck steigt. Was gesehen wird, wo ein Plan endet und wo das Team entscheidend ist. Warum haben sie das bei Apollo 13 geschafft? „Nicht weil sie alles wussten. Sondern weil sie gemeinsam handlungsfähig blieben, als niemand mehr alles wissen konnte.“

Deborah Klengel-Ballenweg, Head of Business Continuity & Crisis Management, Bosch war Rednerin zu ‚Hybrid Warfare im Härtetest: Lessons Learned aus einer Bosch-Krisensimulation‘. Die Krisensimulation in einem Unternehmen mit ca. 413k Mitarbeitern in ca. 500 Gesellschaften, über ca. 60 Länder verteilt, erfordert eine spezielle Struktur. Klengel-Ballenweg kam von übergeordneten Prinzipien wie „Local first“ zur Struktur der einzelnen Krisenstäbe. Die Grundlage dazu war eine Übung, in der viele überlappende Bedrohungen ansteigend den Krisenstab „unter Feuer“ hielten. Immer strategisch zu bleiben, nicht taktisch oder operativ zu werden und immer Herr der Lage zu sein, war der Schlüssel. Klengel-Ballenweg kam zum Schluss „An exercise creates value when its lessons change practice.“

Die ‚Sicherstellung der Lebensmittelversorgung im Krisenfall‘ war das höchst interessante Thema von Thomas Arold, Executive Consultant Sicherheits- und Behördenmanagement, LIDL. Zu Beginn der ersten Coronawelle (2020) wurden erstmalig Überlegungen zur Ernährungsvorsorge hinterfragt. Arold stellte einen detaillierten Entwurf mit einem Konkretisierungsvorschlag zu KRITIS-V vor, wie die Lebensmittelversorgung funktionieren kann. In der aktuellen Phase der „hybriden Bedrohungslage“ muss auf diese neue Lage eingegangen werden. Es bestehen Herausforderungen für die Lebensmittelhersteller und den gesamten –handel. Zusammenfassend kam Arold mit Lösungen von der Unternehmensseite, über die Verfügbarkeit von Mitarbeitern, bis zu Sicherheitsvorkehrungen und –abläufen.

Am Ende der 5. RMA-Konferenz Rating & Krisenmanagement fasste Prof. Dr. Wolfgang Biegert gemeinsam mit Claus-Thomas Kuhn den gelungenen Kongresstags zusammen und dankte allen Vortragenden und Teilnehmern für deren Mitwirkung, die Aufmerksamkeit und die lebendigen Diskussionen. Die RMA möchte sich hier auch noch einmal ausdrücklich bei der EY GmbH & Co.KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft für deren Gastfreundschaft bedanken.

Biegert schloss mit einem kleinen Diskurs zur Aus- und Weiterbildung, Felder, die bei der RMA stets im Fokus stehen: Über die RMA-Academy, die Zusammenarbeit mit der SRH Fernhochschule zu den Zertifikatskursen „Rating und Risikomanagement“ und der Technischen Universität München und besonders, zum erfolgreichen Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebot zum Certified Enterprise Risk Manager (CERM).

Am Ende der Konferenz stand der Terminausblick, besonders hervorzuheben: „Vorsorgeuntersuchung eines gesunden Unternehmens: Analyse und Planung“ von und mit Dieter Pape und der Risk Management Congress RMC am 10.-11.05.2027 in Potsdam.

 

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