Am Donnerstag, den 30.10.2025 fand in München die Jahreskonferenz Rating & Krisenmanagement 2025 der RMA Risk Management & Rating Association e.V., im Hause von PwC, Pricewaterhouse Coopers, statt.
Insgesamt über 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Beratung und der universitären Bildung, aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, nahmen an am RMA-Fachkongress teil. Im Mittelpunkt standen die aktuellen, veränderten Entwicklungen im Rating und im Krisenmanagement.
Die Referenten kamen aus unterschiedlichen Bereichen, um Rating und Krisenmanagement aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Neue Anforderungen zu formulieren und praxisnahe Beispiele, sowie konkrete Umsetzungen zu präsentieren. Weiter rundeten die Experten der RMA die Themenkomplexe ab und lieferten weitreichende Impulse.
Prof. Dr. Wolfgang Biegert, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der RMA Risk Management & Rating Association e.V., eröffnete und moderierte die RMA-Jahreskonferenz Konferenz Rating & Krisenmanagement 2025. Er stellte alle Referenten, Themen und Diskussionsbeiträge vor. Michael Jahn-Kozma, Vorsitzender des Vorstands hielt zudem ein kurzes Grußwort zu Beginn der Konferenz. Die RMA bietet im Rating und im Krisenmanagement die aktuelle Wissensbasis, ist die Interessensvertretung und fördert den Dialog zwischen der Wirtschaft und der Politik, auch mit den Kongressen der RMA. Zudem ist die Weiterbildung ein zentrales Thema bei der RMA.
Dem ersten konkreten Thema widmete sich Dr. Klaus Bockslaff, Leiter des RMA-Arbeitskreises Krisenmanagement in seinem Vortrag „Wie hoch ist der Reifegrad des Risikomanagements in Unternehmen und Organisationen im DACH-Raum?“. Er stellte dazu die erste internationale Norm ISO 22361 und deren Vorteile vor. Diese neue Norm liefert das erste Mal eine internationale Vergleichbarkeit, klärt Bedeutungen über Länder hinweg und die Anforderungen an Führungskräfte: Der RMA-Arbeitskreis Krisenmanagement steht bei der Umsetzung der neuen ISO 22361 mit seinen Experten für die Unternehmen bereit.
Weiter veröffentlichte Bockslaff die aktuellen Ergebnisse zum Stand des Ratings und des Krisenmanagements: 85 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage zum Reifegrad in einer Selbstbewertung, in Bezug auf die neue Norm – viele der Unternehmen haben mehr als 1.000 Mitarbeiter. Dabei haben die größeren Unternehmen einen Vorsprung vor den kleineren – wobei insgesamt ein überraschend hohes Niveau vorliegt. Dennoch gibt es einige Aufgaben und Schwächen im Krisenmanagement von Unternehmen. Hier können diese auf die aktive Unterstützung der RMA und deren Fachleute zurückgreifen.
Als Beispiel schloss Bockslaff diesbezüglich mit der Bildung eines schlagkräftigen Krisenstabs, mit mehreren Personen für einen treffenden Austausch, im Umfeld sich verändernder Risiken – auch dazu liefert die neue ISO-Norm Hinweise. Dr. Klaus Bockslaff hatte mit seinem Arbeitskreis eine besondere Bedeutung bei der diesjährigen Konferenz und trug maßgeblich zu deren Erfolg bei.
Prof. Dr. Kristian Giesen, Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwesen an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management referierte über die Betrachtung ‚Zufall, Ratings und Extremereignisse – Die Bedeutung von Ungewissheit in einer komplexen Welt‘. Wie uns die letzten Jahre mit allen Ereignissen lehren konnten, liefert die zunehmende Komplexität auch eine zunehmende Ungewissheit, besonders in der Krisenvorerkennung. Modelle enthalten oft nicht die Komplexität, um greifbar zu sein. Denn die Realität und Entscheidungen enthalten viele Zufälle. Dabei sind Wahrscheinlichkeiten notwendig, um Entscheidungen zu treffen. Eine kleine Veränderung bedingt eine oft unvorhersehbare Veränderung, auch in der Krisenvorerkennung. Während Risiken berechnet werden können, kann das Ungewisse nur begriffen werden. Es ist nicht die Frage, ob eine Krise eintritt, sondern wie: Besonders im Risikomanagement und im Rating ist ein qualitatives Modeling wichtig und die Resilienz ist das wirkliche Handlungsmittel.
Mit seinem Vortrag ‚Business Performance Management: Risiken vorbeugen, Ergebnisse sichern und Maßnahmen treffen‘ schloss Christian Neeb, Senior Manager der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH, München, mit unternehmerischen Themen an. „Die Ertragskraft bestimmt den Grad der unternehmerischen Freiheit“. So bestimmt das Ergebnis auch die möglichen Risiken und die Maßnahmen. Gestaltungsfelder liegen z. B. bei den Märkten, der Wertschöpfungskette und im Leistungsportfolio. Ansatzpunkte für die Business-Performance können definiert werden, Transparenz wird geschaffen: Die Kernprozesse unterstreichen den Fokus für eine Bewertung, wo der Schlüssel für die Zukunft eines Unternehmens liegt. An einem Praxisbeispiel legte Neeb treffend dar, wie die Business-Performance eines Unternehmens gesichert wird. Sein Leitsatz „Lieber aus der Stärke heraus arbeiten, nicht aus der Schwäche“ verdeutlicht die unternehmerische Freiheit im Hinblick auf das Krisenmanagement und das Rating.
Markus Fauser, Partner bei Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Stuttgart / Düsseldorf referierte zu ‚Option Review in der Restrukturierungsberatung‘. Wenn ein exogener Faktor, meist nicht vorhersehbar, ein Unternehmen trifft, greifen manchmal Teile eines Handlungsplans nicht, was Fakt ist. Das Unternehmen muss bewertet werden, um eine Basis für die Restrukturierung zu schaffen. Fauser zeigte am Beispiel einer internationalen Konzernstruktur, höchst anschaulich mehrere Szenarien für unterschiedliche Sanierungsmöglichkeiten auf. Bei allen Wegen ist zu beachten, dass nicht allein die finanziellen Größen eine Rolle spielen, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des restrukturierten Unternehmens, um weiter erfolgreich und gut am Markt positioniert zu sein. Fausers zeigte, wie weitrechend die Bewertung im Unternehmen ist und was sie konkret im Sanierungsfall leistet.
Felix Sandhofer (The Vizart), Inhaber der Flow Factory (Zürich), Visual Thinker & Visualisierungstrainer überraschte mit seinem komplett anderen und neuen Konzept: ‚Visualisierung im Krisenmanagement als Schlüssel zur Zusammenarbeit‘. Eine Krisensituation bedeutet Stress, der bekanntlich unsere Hirnfunktionen verändert. Wie lässt sich trotzdem eindeutig kommunizieren? Bilder vermitteln simpel und treffend Inhalte und sind zudem schneller fassbar als Texte. Bei einem Bild sehen die Betrachter das Gleiche, ein Bild schafft Struktur, Orientierung und letztendlich Vertrauen. Komplexität wird anschaulich und die Verbindungen werden klar. Sandhofer prägte den Begriff der „Visuellen Führung“, um visuelle unmissverständliche Aussagen in Krisensituationen zu machen. Dabei geht es um einfache, selbsterklärende Stilmittel, damit Botschaften ankommen. Anhand seines Workshops mit praktischen Übungen und Beispielen überzeugte Sandhofer, dass die visuelle Kommunikation als Führungsinstrument im Krisenfall bestens funktioniert und jeder ein „Visual Leader“ ist.
‚Was kommt nach den Silostrukturen? BCM und Krisenmanagement als Kernbestandteile von Resilienz-Managementsystemen‘. Die Antworten auf die aktuelle Entwicklung hierzu brachte Dr. Alexander Köppen, Partner des Bereichs Business Continuity Management / Cyber Strategy & Transformation bei PwC Deutschland, auf den Punkt. Silostrukturen bilden meistens nicht mehr die Komplexität im Krisenmanagement ab. Es geht vielmehr um das Erkennen, wo Potenziale, Synergien und Wirksamkeiten stecken. Köppen entwickelte anhand eines Cases eine Strategie zur Integration aller Kernelemente eines Unternehmens für die Zukunft. Die gewonnenen Erkenntnisse daraus dienen direkt als Blueprint für die spätere Organisation und die neue Struktur, um die ehemaligen Silos zu ersetzen.
Der letzte Vortrag der Konferenz kam wiederrum aus der Praxis: ‚Versorgung sichern, Vertrauen stärken – Krisenmanagement bei Fressnapf als Stabilitätsfaktor‘ von Knut Tondera, Vice President Corporate Audit, Fressnapf Holding SE, Krefeld. Wo liegen die Risiken in seiner Struktur, was trat bereits tatsächlich ein und wie geht man im akuten Krisenfall wirkungsvoll damit um? In seinem Unternehmen liegt eine klare Definition des Krisenbegriffs zugrunde. Nicht alles ist gleich eine Krise, daher ist der Krisenbegriff und die -bewertung quasi ein Schalter zu den nachfolgenden Handlungen. An dieser Stelle ist für Tondera, der Dialog und der verantwortungsvolle Umgang – neben aller Systematik – von höchster Bedeutung. Ein Krisenstab aus internen und ggf. externen Experten steht im bereit. Mit dieser Struktur ist es Fressnapf gelungen, aktiv Krisen zu bewältigen und sich höchst erfolgreich am Markt zu behaupten.
Die 4. RMA-Konferenz Rating & Krisenmanagement schloss Prof. Dr. Wolfgang Biegert mit seinem Dank und seiner Anerkennung an alle Teilnehmer und Experten. An den lebhaften Diskussionen, nach jedem Beitrag, wurde der große Erfolg der 2025er Konferenz sichtbar. Die RMA bedankt sich an dieser Stelle auch noch einmal bei PwC.
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